Textbroker Erfahrungen

Screenshot von der offiziellen Seite

In diesem Artikel berichtet Eva, 34 (Name von der Redaktion geändert), von ihren Erfahrungen mit Textbroker. Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Jahr 2020 und ist für unsere Leser auch deshalb besonders interessant.

Von der Firma Textbroker hörte ich zum ersten Mal im Jahre 2011, als ich für eine SEO-Agentur arbeitete, die manche ihrer Texte gern dort bestellte. Auch in einer weiteren Firma, deren Marketing-Abteilung ich später unterstützt habe, wurde Textbroker für die Texte herangezogen, für die sich die Redakteure zu fein waren. Allerdings fand ich schon damals die Themen, die den Textbroker-Autoren vorgesetzt wurden, gar nicht einmal so uninteressant. Es wird also häufig abwertend von der Textplattform gesprochen, was wohl daran liegt, dass die Autoren ihre Rechte an dem Text abgeben und deshalb (zumindest über Textbroker) keine echte Karriere als Redakteure machen können.

Textbroker ist für Autoren lukrativer als man denkt

2020 überwand ich mich also dazu, selbst als Autorin auf Textbroker aktiv zu werden: Ich hatte mich nun dazu entschlossen, ausschließlich selbstständig zu sein. Für das Füllen von Stunden ohne Aufträge musste also eine zuverlässige Lösung her, die ich in Textbroker tatsächlich gefunden habe. Weitere Vorteile einer solchen Textplattform liegen auf der Hand: Wenn man etwa in einer Redaktion arbeitet, muss man sich erst einmal schick machen, anreisen, sich nach Feierabend in die U-Bahn quetschen und auch noch nach Feierabend Kontakte auf Xing oder LinkedIn pflegen. Bei Textbroker hingegen kann man die eigene Zeit in höchstem Maße effizient nutzen und zu jeder Tages- und Nachtzeit texten. So können die eigenen kreativen Phasen optimal ausgenutzt werden, während man als Redakteur in Festanstellung häufig darauf angewiesen ist, Geistesblitze zu erzwingen (oder einfach schlechtere Arbeit zu leisten).

Für die Aufnahme in den Autorenpool genügt ein bereits veröffentlichter Text

Nachdem ich meinen Text eingereicht hatte, dauerte es ca. eine Woche, und ich wurde mit 4 Sternen bewertet. Das bedeutet in der Praxis: Man kann auch Aufträge für 2 oder 3 Sterne annehmen, wird in diesem Fall aber natürlich schlechter bezahlt als für 4-Sterne-Aufträge.

Die Auftragsakquise: Große Auswahl

In meinem ersten Auftrag ging es darum, auf der Basis der Informationen eines Videos eine schriftliche Anleitung zu texten. Der Text wurde angenommen, und so ging es mit zahlreichen Texten weiter. Schon nach kurzer Zeit war ein Auftraggeber von meinem Text so begeistert, dass er mir einen freiwilligen Bonus gab. Ein anderer Auftraggeber gab mir einige gutbezahlte Direct Orders, da er meinen Schreibstil mochte. Außerdem wurde ich von Auftraggebern in einige Gruppen eingeladen. Doch war auch ein Auftraggeber dabei, für den ich einen medizinischen Text zu einem Thema schrieb, mit dem ich mich gut auskannte – und dieser Auftraggeber blockierte mich grundlos nach Annahme des Textes (bis jetzt ein Einzelfall).

Denkanstöße finden – besser als Fernsehen!

Früher habe ich viele Abende mit Amazon Prime Video verbracht. Um meinen Horizont zu erweitern, stöbere ich jetzt stattdessen gern auf Textbroker (und nehme entsprechend Aufträge an), da man hier das eine oder andere spannende Thema finden kann, mit dem man sich gern beschäftigen würde. (Doch auf viele Themen stößt man im Alltag oder auch bei Zeitungskonsum einfach nicht.) Das ist ein Trost dafür, dass es bei Textbroker relativ wenig Geld gibt (im Oktober 2020 wurden die Preise allerdings erhöht). Auf jeden Fall macht die Arbeit hier sehr viel Spaß, und die Auftraggeber sind meist auch weniger kleinlich als es über Content.de gesagt wird.

Nach den ersten 5 Texten wird man erneut eingestuft

Nachdem ich meine ersten 5 Texte geschrieben habe, erhielt ich eine E-Mail, dass sich das Team von Textbroker.de nun meine Texte ansehen würde und erneut über eine Einstufung entscheiden würde. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch unsicher war, ob ich von meiner Selbstständigkeit als Texterin leben könnte, erfüllte mich diese Wartezeit mit Sorgen, die sich jedoch als unbegründet erwiesen haben: Ich blieb bei meinen 4 Sternen und konnte daraufhin so viele Texte schreiben, wie ich wollte.

Professionell an die Sache herangehen – auch wenn manche Briefings doof sind

Wer bei Textbroker arbeitet, wird von Zeit und Zeit auf Briefings stoßen, die eine viel zu hohe Keyword-Density verlangen oder das unflektierte Unterbringen bestimmter Longtail-Keywords, was den sprachlichen Fluss stören kann und dazu beiträgt, dass der Text sich “à la made for Google” liest. In einem solchen Fall hilft nur die Devise “Zähne zusammenbeißen und schreiben”.

Auch werden von manchen Auftraggebern Recherchequellen vorgeschrieben. Wenn die Quellen überhaupt nicht passen, sollte man einen Auftrag also gar nicht annehmen. Folgerichtig muss man stets etwas Zeit einplanen, um sich das Briefing sorgfältig durchzulesen und zu entscheiden, ob man den Auftrag bis zum Ende durchziehen kann. Denn Zuverlässigkeit ist als Texter ein “A & O”.

Wie man bei Textbroker Erfolg hat

  • Einmal habe ich einen rechercheintensiven Text für eine Firma geschrieben, die ein Detail in ihrem Briefing nicht erwähnte, mich aber dennoch zu einer Überarbeitung des Auftrags aufforderte. Ohne zu murren, erledigte ich die Überarbeitung, obwohl ich ja nicht schuld war an dem Fehlen der entsprechenden Information im Briefing. Die Firma war daraufhin begeistert von meiner Professionalität, sodass sie mir zwei Direct Orders gab. Wie auch in einer Festanstellung gilt also auch hier: Lieber keine Diskussion anfangen, sondern versuchen, den Kunden maximal zufriedenzustellen!
  • Ich wähle am liebsten entweder Themen, zu denen ich schon sehr viel weiß, oder ich finde Gebiete, in die ich mich gern einarbeiten würde. Ansonsten wäre die Bezahlung angesichts des manchmal schon recht hohen Rechercheaufwands zu schlecht. Einen Auftrag musste ich allerdings abbrechen – ein Anfängerfehler: Der Kunde wollte einen 2-Sterne-Auftrag mit 7000 Wörtern abgewickelt bekommen zu einem Thema aus der Psychologie. Als ich feststellte, dass ich wissenschaftlich tiefer einsteigen (oder Inhalte mit anderen Worten wiederholen müsste), um diese Anzahl an Wörtern zu erfüllen, schrieb ich den Kunden an. Er teilte mir mit, eine Wiederholung von Inhalten käme nicht infrage. Ich schrieb ihm daraufhin, dass ich kein Psychologie-Studium absolviert hätte und es sich für mich für diesen Wortpreis nicht lohnen würde, tiefer in diese Wissenschaft einzusteigen. Seitdem nehme ich keine Aufträge mehr an, die sich unter meiner Sterne-Kategorie befinden.

Das effiziente Suchen neuer Aufträge

Wir Texter sind ein kreatives Völkchen: In der einen Stunde haben wir Lust, tief in eine Thematik einzusteigen, und an einem anderen Tag wollen wir am liebsten nur kurze Texte schreiben. Wenn man sich also bei Textbroker auf die Auftragssuche begibt, kann man die Auswahl auf die eigene Sternekategorie begrenzen und die Textaufträge dann beispielsweise nach dem Umfang des Textes sortieren.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch eine kurze Kritik an Textbroker anbringen: Doof finde ich, dass, wenn man sich ein Briefing durchgelesen hat, dieses mehrere Minuten für den eigenen Account reserviert bleibt. Man muss sich also ausloggen oder ein paar Minuten etwas anderes machen (Wäsche aufhängen, ein Telefonat erledigen oder eine andere Banalität), bis man die Auftragssuche fortsetzen kann.

Fazit: Textbroker war für mich bisher eine sehr positive Erfahrung – vielen Dank!

Auf jeden Fall bin ich Textbroker dankbar. Denn nun ist es mir endlich gelungen, von meiner Selbstständigkeit leben zu können. Klar habe ich auch eine Vielzahl anderer Aufträge aus unterschiedlichen Bereichen. Und es lohnt sich zudem für Texter, sich unabhängig von Textbroker Auftraggeber zu suchen, die besser zahlen. Doch mit dieser Textplattform gelingt wahre Unabhängigkeit: Denn wenn ich gerade auf eine Antwort warte oder meine Werbeanzeigen gerade nicht gut laufen, entstehen dank Textbroker keine Leerlaufzeiten mehr, und man hat insgesamt ein besseres Gefühl bei der Ausübung der Selbstständigkeit.